Mein Heimatsdorf, Miszla

Text von Imre Hamar

Meiner Meinung nach ist das Wort ‘Heimatsort’ ebenso wichtig, wie das Wort ‘Mutter’. Der Heimatsort lebt in jedem einzigen Herz. Egal, wo man lebt, denkt immer an seinen Heimatsort. Ich habe oft daran gedacht, was das Wort Miszla für mich bedeutet, weil ich nur bis zu meinem 13. Lebensjahr hier gelebt habe. Alle Wunder des Lebens habe ich hier erlebt, alle Erlebnisse meines Kindheits fühle ich nach Jahrzehnten auch. Ich spüre den Duft des Veilchens und des Maiglöckchens bis zur Ewigkeit, die ich in Gyertyános gepflückt habe. Ich belebe die vertrauliche Freuden der Kindheit wieder. Hier, wo das Leben immer frisch war, habe ich die menschliche Eigenschaften kennengelernt. Ich bin in vielen Ländern gewesen aber Miszla war immer der Standard. Dieses Dorf bedeutet für mich den bestimmten Handlauf. Ich danke den Menschen von Miszla für die vorzeitliche Warnungen, die klugen Ratschläge, die ich auch heute höre.

Wo liegt Miszla?

Prof. Dr. Gyula Mayer sagte, unter den kleinen Landschaften der Tolnai-Hügeln hat Hegyhát das eigentümlichste morphologische Antlitz. Das Gebiet von Hegyhát besteht aus hohen Rücken, die die Täler und Schluchten dicht zerschneiden, aus engen Wasserscheiden und mit Löss bedeckten pannonischen Erdklumpen. Miszla liegt auf diesem erosiven einsamen Gebiet, das aber reich in Naturschönheiten ist. Die Nachbargemeinden sind: im Osten Nagyszékely und Udvari, im Süden Gyönk, im Westen Keszőhidegkút und Belecska, im Norden Pincehely (Görbő, Gyánt). Die Grenzen im Osten und Westen sind Wasserscheiden. Zwischen Belecska und Pincehely liegt ein erheblicher Wald. Entlang der östlichen Grenze können wir Weiden, im Süden Acker und einstmalige Weingärten finden. Das Feld von Miszla war in früheren Zeiten mehr als 3452 ha. Heute ist es nur 3333 ha, wegen der Abwandlungen der Grenzen. Das innere Feld des Dorfes ist 139 ha. Schon im Mittelalter war das Leben blühend. Nach dem Einbruch der Türken war diese Blütezeit zu Ende. Kurze Zeit existierte Miszla nicht. Nach der Vertreibung der Türken leitete Gutsherr János Salomvári die Siedlung. Der wirtschaftliche Aufschwung der Reformzeit hatte eine sehr günstige Wirkung auf das Leben Miszlas.

Die Glanzzeit

Károly Galgóczy, der damalige Reisender schrieb anerkennend über den Besitz in Miszla von Pál Nemeskéri Kiss – kaiserlicher und königlicher Ex-Kammerherr, Regent in Fiume. “Man kann hier Seidenraupenzucht, Seidenbau, prächtige Schnapsbrennerei, Wasserpumpe – die das Wasser aus dem Tal auf den Berg, ins Fabrik pumpt -, schön gepflegten Englischen Garten, von Osten erworbene, aus den 150 edelsten Sorten gebaute, vorbildhafte Weinanbau und Obstwirtschaft finden. Trotz des unfreundlichen, gebirgigen Ortes ist die Schönheit der Gegend überraschend, sie bezaubert den Reisenden. Mit Hilfe vom Fleiß, der Investition und der Ausdauer kann man im Heim den öden Bergspitzen Paradies hervorbringen und hier Goldmine schaffen.” Im 19. Jh. war Miszla Standort mit Bezirksrichter. Das Dorf wurde Landstadt aber später ist es zur Großgemeinde heruntergestuft worden. Pál Nemeskéri Kiss hat eine Ziegelfabrik gegründet und hat sein imposantes Schloss im klassischen Stil bauen lassen. Er hat das Recht des Jahrmarktes für Miszla erreicht, das das “Helytartó Tanács” – die landgültige Regierungsorgan von Ungarn – genehmigt hat. Sein Tod war ein großer Verlust für Miszla.

Notfälle in Miszla

 

Die Verheerung den Tataren und Türken haben große Schaden zugefügt. Viele Einwohner sind gestorben. In den späteren Jahrhunderten haben sich noch weitere Notfälle ereignet: Brände, Hochwasser, Seuchen. Im Falle von einem Hochwasser war nur der Kirchenturm sehbar. 1879 sind 66 Kinder an Diphtherie gestorben. Während dem Ersten Weltkrieg sind 70 Soldaten gestorben oder verschwunden.

Die Güter

Aufgrund einer Begläubigung 1935 hatten 789 Personen Güter. 252 Wirtschafter hatten weniger als 0.5 ha, 375 Wirtschafter hatten 0.5-2.8 ha, 156 Wirtschafter hatten 2.8-28 ha, ein Wirtschafter hatte 57, 2 Wirtschafter hatten 57-285 ha, 3 Wirtschafter hatten etwa 575 ha, die als mittelmäßige Güter galten. Die Nachfolger der Familie Inkey hatten 507 ha. Die Familie Inkey hat 1875 das Baronat und die Mitgliedschaft in “Főrendi Ház” (eine Gruppe im ungarischen Parlament bis zum 19. Jh., wohin die Baronie, der Adel und der Pontifikat ihre Abgeordneten delegiert haben) bekommen. Sie hatten auch in Kroatien Güter. Bezahlte Wirtschafter haben die Landwirtschaft verwaltet. Die Familie Inkey hat die Walzenmühle mit einer hohen Leistung gegründet, die nicht nur für Miszla ein bedeutender Sprung war, sondern auch für die umliegenden Gemeinden. Man dachte in dieser Zeit, dass Miszla immer größer und größer wurde. Viele Kärrner haben die Bergflanke eröffnet, dort Kohle zu suchen. Sie arbeiteten monatelang aber sie fanden keine Kohle. Dr. József Martin, budapester Rechtsanwalt hat 541 ha von der Familie Inkey gekauft. Er hat die Landwirtschaft mit großer Ambition und Gabe begonnen. Er hat von Arbeitsleute und Diener arbeiten lassen. Er hat die Landwirtschaft von Bikád aufgeblüht. Er hatte eine namhafte Pferdeherde, ein berühmtes Weingut, aber die Schweineaufzucht war die wirtschaftlichste. Er hat eine Schule in Bikád-puszta bauen lassen. Er hat als Mitglied des ungarischen königlichen wirtschaftlichen Oberregierungsrats und als Mitglied der kommunale Korporation des Bezirkes viel für das Dorf getan. Viele haben in seinem gut gepflegten Obstgarten, Weinanbau, in seiner Viehzucht gearbeitet. 1940 hat ihn der Kongreß von Miszla wegen seiner Bemühungen zum Ehrenbürger gewählt. In den 30er Jahren wurde die Anliegerstraße zwischen Gyönk und Miszla mit seiner Mitwirkung gebaut. Davor gab es keine dorthin führende Steinwege, das Dorf war eingeschlossen. Etliche Bürger haben ihn scharf angegriffen, dass er daran persönlich interessiert war, die Anliegerstraße sein bikádes Gut durchgeführt zu haben. Den Bürgern von Miszla sei es günstiger gewesen, wenn die Anliegerstraße nach Pincehely geführt hätte. Die Bahnstation von Pincehely ist 6 Kilometer von Miszla gelegen, aber die Bürger und Waren haben 17 Kilometer über Gyönk zu Keszőhidegkút fahren sollen. Dr. Márton Lányi hat auf seinem Gut, das 445 ha war, traditionelle Landwirtschaft geführt.

Die Gestaltung der Bevölkerung

Bei der Volkszählung 1870 lebten 1618 Personen in Miszla. Die Bevölkerungszahl wurde immer geringer, 1970 gab es nur 650, heute leben dort circa 400 Einwohner. 1971 hat die amtliche Selbständigkeit der Gemeinde aufgehört. Mit 5 Gemeinden (Diósberény, Szakadát, Szárazd, Udvari, Varsád) wurde Miszla an Gyönk angeschlossen, das war schmerzlich für die Einwohner. (Heute verwaltet das Bürgermeisteramt die Angelegenheiten von Miszla.)

Am 31. Dezember 1974 verlor Miszla auch die wirtschaftliche Selbständigkeit, nachdem das Dorf zur LPG von Belecska angeschlossen worden war. Der Anschluß an Pincehely wäre vorteilhafter gewesen, weil die Perspektive dort besser war. Die LPG von Belecska war defizitär. Diese Katastrofe war die schmerzhafteste für Miszla. Die Mehrheit der arbeitsfähigen Bevölkerung hat umgesiedelt. Das meiste Teil der Umsiedler (13 Personen) haben sich in Budapest niedergelassen, in Szekszárd 8 Personen, die anderen in Pincehely, Gyönk, Udvari, Hőgyész, Bonyhád, Gyöngyös, Dunaújváros, Szeged, Kaposvár und Siófok. Pädagogen, Mitarbeiter der Verwaltung, Maschinenbauingenieure, Installateure, Krankenschwestern, Verkäufer, Buchhalter, Fahrer, Gärtner, Kindergärtnerinnen haben ihre Arbeitsplätze und das Vaterland liegengelassen. Im Schuljahr 1948/49 gab es 158 Schüler. Erstens die Oberstufe, später die Unterstufe wurde in Gyönk umdirigiert. Eine andere Katastrofe war also der Verlust der Schule und dann der Verlust des Postamtes. In den vorigen zwei Jahren habe ich die Nachfolger gesucht. Ich habe Neugier gehabt, wie sie heute leben. Sie haben fast alle gut fortkommen können. Sie haben einen angenehmen Lebensunterhalt für ihre Familien. Sie sind aber mit ihrem Vaterland kurz angebunden. Manche möchten ausschließlich in Miszla begraben werden. Leider verfallen, verderben die uralte Immobilien, niemand repariert die Schäden. Miszla, dieses schöne, alte, ungarische Dorf war bekannt für den Pflanzenbau und die Viehzucht. Der Fleiß kann Wunder machen. Miszla ist ein schönes Beispiel dafür, wie nützlich die menschliche Erfindungskraft und Sparsamkeit sind. Das Dorf ist schon früh aufgestanden. Der Kuhknecht schirmte die Haustiere. 1965 gab es 236 Rinder, 529 Schweine, 39 Pferde (in guten Zeiten waren 82 Gespanne in der Gemeinde) und 1681 Lämmer in der Wirtschaftsgemeinschaft. Man lieferte 44000 Liter Milch in die Milchwirtschaft. Auf den Gütern wurden Weizen, Roggen, Linsen, Sonnenblumen, Kartoffeln und Maise geerntet. Auf kleinen Parzellen kann man Weingärten finden. Auf 61 ha wurden Reben geerntet. Sozusagen gab es in jedem Haus Obstplantage. Sie waren in Gemüsebau autarkisch.

Flucht in die Zukunft

Viele begabte Menschen kamen aus Miszla, auf die man richtig stolz sein kann: eine große Anzahl von Kindergärtnerinnen, Lehrern, Lehrerinnen und Professoren. Wir können noch Offiziere von hohem Rang, Agraringenieure, Wirtschaftler, Juristen, Pädiater, Apotheker, Finanzers, Mitarbeiter der Verwaltung, Geodäten, Schriftsachverständigen und Fotokünstler finden, die aus Miszla stammen. Sie sind die Glücklichen, die aus Zwangsmässigkeit oder aus richtigem Erkenntnis den Weg zur Prosperität rechtzeitig gefunden haben. Aber es gibt viele Menschen, die den Wanderstab nicht gegriffen haben und bei ihren Eltern ausgehalten haben – was ist mit ihnen los? Woher stammen die Treue, die Kraft der Wahrung und das Erkenntnis, dass in diesem Dorf ein inhaltsreiches Leben existieren kann? In den vorigen Jahrzehnten gab es einstweilige und schwache Versuche, wenigstens die Frauen daheim zu beschäftigen. Zum Beispiel Eierhandel mit den umliegenden Wirtschaften, Sortierung von Textil-Abfällen für eine Firma in Budapest, Herstellung von Metall-Handschuhen für Fleischbetriebe und ein Sauerbetrieb. Diese Unternehmen haben den Erwartungen nicht entsprochen.

Immer neuere Programme sind veranstaltet worden, z.B.: das Turul-Festival in Bikád, dörfische Tage (sie sind immer populärer), Programme des befreundeten Kreises der Rentner. Leben einige Einwohner hier, die noch die Grenzen, die Namen der Fluren kennen, die wissen, wo Hollóstető, Rókaugrató, der Brunnen Erőslapi, Csicserhegy, Csikójáró, Erdőföld, Szűcsoldal, Laposcser, Ürgehegy, Parraghegy, Borsókertek und Hurkavölgy sind? Diese Namen spiegeln die Vergangenheit, die Geschichte und die Stimmung des Dorfes.

Hamar Imre

Danke Imre Hamar für die riesige Anzahl der Quellenmaterialien, mit denen er die Inhalt der Homepage bemerkenswert angereichert hat.

Leider ist der Eintrag nur auf Magyar verfügbar.

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